Heute war ich ausnahmsweise mal wieder im Gym und mir ist aufgefallen, dass mittlerweile fast jeder zweite während des Trainings an einem Shaker nippt. In der Umkleide konnte ich dann noch ein paar Jungs entdecken, die sich hektisch direkt nach dem Training ihren Eiweißshake zusammengerührt haben. Wahrscheinlich, weil sich das berühmte Fenster schließt, in dem die Proteinsynthese stattfindet. Ich weiß es nicht. 😉
Was mir jedoch noch aufgefallen ist, dass es sich meist um Leute handelt, denen man jetzt nicht unbedingt auf den ersten Blick ansehen würde, dass sie regelmäßig ans Eisen gehen. Hier haben die Marketingabteilungen der Supplement-Industrie offensichtlich sehr gute Arbeit geleistet und das Bild in den Köpfen platziert: „Ohne Eiweißpulver und BCAA´s geht bei dir gar nichts“.
Leute, fangt erstmal an, zu trainieren und esst ordentlich eure Stullen. Über Eiweißmangel müssen wir uns in den Industrieländern wahrlich keine Sorgen machen. Der Konsum ist für alle Normalos und Freizeitsportler sogar eher zu hoch. Sicherlich kann man die Quellen mal ausleuchten und optimieren, denn ein Burger der bekannten Fastfood-Ketten oder die Currywurst vom Curry 36 sind nicht die beste Wahl.

Empfehlenswert sind für Allesfresser mageres Fleisch und Milchprodukte, aber auch Quinoa, Amaranth, Nüsse, und vor allem Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen oder Linsen haben das gesamt Spektrum an essentiellen Aminosäuren im Gepäck und sind nicht nur für Vegetarier oder Veganer geeignet.
Zudem tut ein geringerer Fleischverzehr auch der Umwelt gut und wir haben gute Beispiele in der Tierwelt, die zeigen, dass reine Veganer nicht unter Muskelarmut leiden müssen oder wer will sich mit einem 500-Pfund-Gorilla messen?
Essentiell bedeutet übrigens, dass dem Körper diese zugeführt werden müssen, da er sie nicht selbst synthetisieren kann, aber das ist selbst mit vegetarischer Ernährungsweise ganz leicht zu schaffen. Die acht essentiellen Aminosäuren, von welchen drei die berühmten BCAA (branched chain amino acids) darstellen und unter Bodybuildern als die Schlüsselaminos für Muskelwachstum gehandelt werden, können alle mit 200 Gramm magerem Hüttenkäse und zwei Hühnereiern pro Tag abgedeckt werden. Das deckt den Bedarf eines 80 kg schweren Mannes. Wer schwerer ist, muss es ins Verhältnis setzen, wer leichter ist übrigens auch. 😉
Da muss man jetzt nicht noch zwei Shakes pro Tag draufkippen und in jede Mahlzeit Eiweißpulver einrühren wie es sogar sportliche Social Media Größen wie Sophia Thiel in Ihren Rezepten an die zahlreichen Gefolgsleute verkaufen. Übrigens kann sie auf gerade mal drei Jahre Coaching durch Ihren Bodybuilding-Coach zurückblicken und hat sehr wahrscheinlich keine anderen Ausflüge in die Ernährunsgwissenschaft gemacht. Für die Optik funktioniert es offensichtlich, doch ob es langfristig gesund ist? Man weiß es nicht.
Fakt ist, dass die Grenze von zwei Gramm Eiweiß pro Tag für Spitzensportler gilt, was ungefähr solche Menschen wie Profifußballer und Marathonläufer beinhaltet, die mehrere Stunden am Tag katabole (muskelabbauende) Phasen (Training) durchlaufen. Wer drei bis fünf Mal die Woche ca. 60 bis 75 Minuten im Gym trainiert, braucht sich darum keine Gedanken machen.
Fakt ist auch, dass zwei Eier und ein Hüttenkäse rund einen Euro pro Tag kosten und den essentiellen Aminosäurebedarf eines 80 kg schweren Mannes decken.
Und Fakt ist auch, dass es nicht nur auf Eiweißkonsum ankommt, sondern auch auf die entsprechende Aufnahme von Mikronährstoffen wie Vitamine und Mineralien. Ganz vorn dabei für die Proteinsynthese ist zum Beispiel Vitamin A. Ohne das kannst Du ein Kilo Eiweißpulver in Dich reinschütten, es wird einfach ungenutzt wieder ausgeschieden.
Wenn Du noch Bedenken hast, ohne Supplements auszukommen, kannst Du gern nochmal hier nachlesen. Aber auch dieser und jener Artikel zu diesem Thema sind sehr aufschlussreich. 😉
Guten Appetit und Sport frei!