Wer sich mit gesunder und natürlicher Ernährung befasst, kommt um „Superfoods“ gar nicht mehr herum. Die Angebote und Produkte schießen wie Pilze aus dem Boden.

Goji, Acai, Matcha, Chia, Chlorella, Spirulina, Moringa… puh, da klingeln einem die Ohren. Aber was macht ein „Superfood“ zum „Superfood“ und braucht man die wirklich, um zu überleben?

Der Begriff wurde in den USA geprägt. „Superfoods“ werden solche Nahrungsmittel genannt, die einen besonders hohen Anteil an Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen oder sekundären Pflanzenstoffen enthalten und die u. a. Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt oder Alzheimer vorbeugen oder gar bekämpfen sollen.

Stichwort USA: In New York wird zum Beispiel Wirsingkohl als Superfood gehandelt, das sagt doch schon einiges. Dieser total neue Megatrend ist natürlich auch schon wieder (zurück) nach Europa geschwappt. Den ess´ ich schon, seit ich denken kann, aber für die meisten war es eben immer nur ein lahmer Kohl, den man im Laden links liegen ließ.

Seit er aber ein „Superfood“ ist, kann man zum Beispiel Wirsingkohlchips (3 x 35 g) für schlappe neun Euro kaufen. Ich mein´, so ein ganzer Kopf wiegt rund anderthalb Kilogramm und kostet 2,30 Euro. Die Chips stammen aus rund 700 Gramm Wirsingkohl. Mal eben das Achtfache eingefahren, wow!

Meist sind „Superfoods“ Lebensmittel aus fernen Ländern, in denen die Menschen schon seit langer Zeit darauf zurückgreifen und sich bester Gesundheit erfreuen.

Ferne Länder: da kommt einem doch als erstes der Gedanke, dass der ökologische Fußabdruck, also die Fläche auf der Erde, die notwenig ist, um den Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen, nicht besonders klein sein kann.

Zudem hat die Stiftung Ökotest bei zwei von drei „Superfoods“ nicht so gesundheitsförderliche Stoffe wie Cadmium, Pestizide, Schimmelpilze oder Mineralöle nachweisen können und das zum Teil in erschreckenden Mengen, da es bisher keine Höchstgrenzen für einige Stoffe gibt.

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Fazit

Fazit der Tester, und auch ich bin seit langem der Meinung, „Superfoods“ sind überflüssig, da eine ausgewogene Ernährung alles beinhaltet, was der menschliche Organismus benötigt. Wer raucht oder ansonsten nur Cola, Pizza und Pancakes verzehrt, kann auch mit einem Glas Matcha das Ruder nicht wirklich rumreißen. Wie Ihr Euch ausgewogen ernährt, findet Ihr in diesem und jenem Artikel.

Obendrein gibt es für nahezu jedes „Superfood“ einen kostengünstigen heimischen Ersatz, der annährend die gleichen tollen Inhaltsstoffe liefert und vielleicht sogar noch kontrollierter angebaut wird. Denn mal ehrlich, vertraut Ihr auf Bio aus China, wo es noch nicht einmal einen Markenschutz gibt?

Mit heimischen Produkten tut Ihr zusätzlich noch etwas für die Umwelt und gegebenfalls auch für Euren Geldbeutel. Ich sag nur: Don´t believe the hype .

Ich habe Euch noch eine kleine Übersicht für den heimischen Ersatz zusammengestellt, wenn es denn wirklich auf einzelne Produkte ankommt. 😉

Chia – Leinsamen beinhalten ähnlich viel Omega-3 und Ballaststoffe, die „Kernkompetenz“ von Chiasamen und kosten circa ein Viertel.

Matcha – Kamillentee fürs Beruhigen, Löwenzahn- und Hagebuttentee für die Verdauung. Matcha kostet im Schnitt 37 Euro für 30 Gramm. Davon kann man sich nach traditioneller Zubereitung circa 30 Tassen aufgießen. Für Bio-Tee der genannten Sorten zahlt man bei 30 Tassen rund 9 Euro.

Goji – (Schwarze) Johannisbeere. Eigentlich sind die beiden nahezu identisch. Außer, dass Johannisbeeren das Dreifache an Vitamin C beinhalten und schwarze Johannisbeeren sogar das 16-fache! Dafür kosten Gojibeeren eben das Dreifache. Ausgleichende Gerechtigkeit. 😉

Acai – Soll schlank machen (durch den Farbstoff Anthocyan) und sexuell stimulieren. Nichts davon ist übrigens bewiesen. Die gleichen Inhaltstoffe in Omas Garten haben Heidelbeeren und Schwarze Johannisbeeren. Mit denen schlägt man gleich zwei „Superfoods“ zum Preis von einem Heimischen!

Weizengras – Kernkompetenz ist hier Chlorophyll. Das soll Krebs vorbeugen und gut für Wundheilung und Verdauung sein. Massen an Chlorophyll können aber auch Broccoli und Grünkohl aufweisen.

Klingt halt nicht so lässig in einem edgy high-end Foodtempel in Berlin Mitte: Matcha-Acai-Weizengras-Smoothie versus Kamillen-Heidelbeer-Grünkohl-Saft. Oder was auch immer zusammen passt. 😉

Grundsätzlich sei gesagt, dass ausgewogene Ernährung als eine Art Konzert aus unterschiedlichsten „Instrumenten“ wie Proteinen, Fetten, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu verstehen ist und nicht als ein Solo eines Einzelakteurs.

Eine unausgewogene Ernährung oder generell Lebensweise kann keine Acai, aber auch keine Johannisbeere dieser Welt wieder ausbügeln.

In diesem Sinne: Chiars!